Theater für alle?

Die Theater haben es heute nicht leicht. Die Zeiten sind schwer, kämpfen sie doch mit sinkenden Besucherzahlen und ebenso geringerem öffentlichen Interesse an den Aufführungen. Viele Theater werden daher geschlossen oder aber mit anderen Häusern zusammengelegt. Das soll vor allem die erdrückenden Kosten senken, die viele Häuser nicht mehr stemmen können. So steckt hinter einem Theater mehr Arbeit als man auf den ersten Blick vermuten würde. Neben den zahlreichen Schauspielern werden eine Leitung, die die Wirtschaftlichkeit überwacht, sowie Hilfsarbeiter wie Tonassistenten, Beleuchter und Musiker benötigt. So sind an einer einzigen Vorführung schnell mal mehrere Dutzend Personen beteiligt.

Um die Popularität des Theaters wieder zu steigern, die Vorstellung mit mehr Publikum besetzen zu können und der Jugend die Kultur wieder näherzubringen, haben sich in den letzten Jahren mehrere Initiativen gebildet, die den Zugang zum Theater vor allem finanziell erleichtern sollen. So verfügen mittlerweile mehrere Städte über eine so genannte Kulturcard, die es vor allem Arbeitslosen und Geringverdienern ermöglicht, zu sehr geringen Preisen ins Theater zu gehen. Damit sollen sie die Möglichkeit erhalten, am öffentlichen und vor allem am kulturellen Leben ihrer Stadt, Gemeinde oder Kommune teilnehmen zu können. Hiermit soll der sozialen Verarmung entgegengewirkt werden.

Daneben gibt es auch spezielle Angebote für Studenten verschiedener Universitäten. So ist oftmals im Semesterbeitrag ein kleiner Anteil enthalten, der zum Besuch des Theaters beim Vorzeigen des Semestertickets berechtigt. Gerade wird eine Einführung einer solchen Maßnahme auch an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf geplant. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon, deutlich mehr Studenten in den städtischen Theatern und damit ein neues Publikum, das später über ein hohes Einkommen und kulturelle Bildung verfügt. Bei den Studenten kommen das Angebot und die Idee dabei sehr gut an. Viele fragen sich sogar, warum man eine solche Maßnahme nicht schon deutlich eher durchgeführt hat. Es bleibt zu hoffen, dass diesem Beispiel noch weitere Universitäten folgen werden.

Deutsches Theater mit Besucherhoch

Fragt man junge Leute danach, ob sie ins Theater gehen, so erntet man oftmals nur ungläubige Blicke. Das Theater ist für viele junge Menschen so uninteressant wie die Lektüre eines guten, analogen Buches. Längst hat der Aufstieg der digitalen Medien, die ständig und überall verfügbar sind, die Medienrezeption fast aller Menschen radikal verändert. Umso bemerkenswerter ist deshalb die vor kurzem erfolgte Bekanntgabe der Besucherzahlen des deutschen Theaters. So konnte das traditionsreiche Haus im Jahr 2017 ganze 352.000 Besucher zu seinen Gästen zählen. Eine Zahl, die bisher in der über hundert Jahre währenden Geschichte des Hauses noch nie erreicht wurde. Umso mehr freute die Nachricht natürlich die Verantwortlichen wie auch die Künstler. Besonders beliebt sind dabei Stücke, die Musicals ähneln.

Das Publikum konnte im vergangenen Jahr vor allem mit Klassikern des Theaters überzeugt werden. “West Side Story”, “Evita” aber auch Stücke wie “Sister Act” und “Der Glöckner von Notre Dame” füllten die Säle und ermöglichten damit eine Steigerung der Besucherzahlen um 35.000 Personen im Vergleich zum Jahr 2016. Das kann sich mehr als sehen lassen.

So scheint es, als gäbe es eine Gegenbewegung in der Gesellschaft zum aktuellen Trend der digitalen und sozialen Medien, die sich durch ihre Schnelllebigkeit auszeichnen. Mancher Zeitgenosse lernt hier wohl wieder die Ruhe und Besonnenheit analoger Darbietungen kennen und schätzen. Sie bilden oft die Möglichkeit, eine Atempause von der viel zu schnell gewordenen Welt zu nehmen und durchzuatmen.

Es bleibt daher zu hoffen, dass dieser neue Trend anhält und dem Deutschen Theater in München, wie auch den zahlreichen weiteren Theatern in anderen deutschen Städten, immer neue Zuschauerrekorde beschert. Verdient hätten das die Kunst und die engagierten Künstler allemal. Es wird sich am Ende des Jahres zeigen, ob wieder ein neuer Rekord erreicht wurde. Ganz unwahrscheinlich ist dies indessen nicht. So scheint das Deutsche Theater in München noch einiges an Potenzial zu haben.