Deutsches Theater mit Besucherhoch

Fragt man junge Leute danach, ob sie ins Theater gehen, so erntet man oftmals nur ungläubige Blicke. Das Theater ist für viele junge Menschen so uninteressant wie die Lektüre eines guten, analogen Buches. Längst hat der Aufstieg der digitalen Medien, die ständig und überall verfügbar sind, die Medienrezeption fast aller Menschen radikal verändert. Umso bemerkenswerter ist deshalb die vor kurzem erfolgte Bekanntgabe der Besucherzahlen des deutschen Theaters. So konnte das traditionsreiche Haus im Jahr 2017 ganze 352.000 Besucher zu seinen Gästen zählen. Eine Zahl, die bisher in der über hundert Jahre währenden Geschichte des Hauses noch nie erreicht wurde. Umso mehr freute die Nachricht natürlich die Verantwortlichen wie auch die Künstler. Besonders beliebt sind dabei Stücke, die Musicals ähneln.

Das Publikum konnte im vergangenen Jahr vor allem mit Klassikern des Theaters überzeugt werden. “West Side Story”, “Evita” aber auch Stücke wie “Sister Act” und “Der Glöckner von Notre Dame” füllten die Säle und ermöglichten damit eine Steigerung der Besucherzahlen um 35.000 Personen im Vergleich zum Jahr 2016. Das kann sich mehr als sehen lassen.

So scheint es, als gäbe es eine Gegenbewegung in der Gesellschaft zum aktuellen Trend der digitalen und sozialen Medien, die sich durch ihre Schnelllebigkeit auszeichnen. Mancher Zeitgenosse lernt hier wohl wieder die Ruhe und Besonnenheit analoger Darbietungen kennen und schätzen. Sie bilden oft die Möglichkeit, eine Atempause von der viel zu schnell gewordenen Welt zu nehmen und durchzuatmen.

Es bleibt daher zu hoffen, dass dieser neue Trend anhält und dem Deutschen Theater in München, wie auch den zahlreichen weiteren Theatern in anderen deutschen Städten, immer neue Zuschauerrekorde beschert. Verdient hätten das die Kunst und die engagierten Künstler allemal. Es wird sich am Ende des Jahres zeigen, ob wieder ein neuer Rekord erreicht wurde. Ganz unwahrscheinlich ist dies indessen nicht. So scheint das Deutsche Theater in München noch einiges an Potenzial zu haben.

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